Eye-Poetry #8 – Briefaufzuchtstation

Eye-Poetry im September.
Diesmal bin ich länger nicht warm geworden mit dem Text. Er erschien mir schön und traurig. Hat mich an Krieg und Post von der Front oder aus der Gefangenschaft denken lassen, aber auch an eine auseinander gebrochene Beziehung, die man festhalten möchte. Der Text sagt das nicht aus, aber das waren meine Impressionen.


Wintergarten
 
Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf
 
Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe
 
Schöne 
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen
 
Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät im Jahr
 
Erich Fried

Ursprünglich wollte ich echte Post verarbeiten, die ich aus Blumentöpfen wachsen lassen wollte. Ich habe mich dagegen entschieden, da ich so persönliche Dinge doch nicht verwenden wollte. Letztendlich habe ich mich für eine Collage entschieden.

Da mir das Gedicht einfach etwas „schwer“ vorkam, habe ich diesmal hauptsächlich in schwarz-weiß gearbeitet.

Ich habe mit verschiedenen Kontrasten gespielt und die Varianten gefallen mir sehr gut. Die nachfolgende erinnert mich vom Stil an eine Illustration aus einem Kinderbuch.

Und wieder eingefärbt, denn auch auf der Briefaufzuchtstation ist es nicht nur trist.

Und auch dort blüht es.

Viele Grüße,
Angelika


Das war mein Beitrag zur Eye-Poetry im September, einem Projekt von Andrea auf Holunder, dort kann man sich von weiteren Umsetzungen inspirieren lassen.